Auch wenn die Bewerbungsverfahren in den einzelnen europäischen Ländern sehr ähnlich ablaufen, gibt es doch Unterschiede bei den Bewerbungsunterlagen, die bei der Auswahl ins Gewicht fallen können. In Frankreich ist die Bewerbungsmappe sehr viel weniger umfangreich als in Deutschland, sodass dem Bewerber viel Mühe und Kosten erspart werden.
Zu den Bewerbungsunterlagen in Frankreich gehört ein Anschreiben, das die Motivation zur Bewerbung ausdrückt und einen deutlichen Bezug zur Stelle haben sollte, und ein Maschinen geschriebener Lebenslauf in französischer Sprache. Vielfach wird heute noch behauptet, dass der Begleitbrief handgeschrieben sein sollte. Dies hat den Hintergrund, dass die Graphologie in Frankreich lange Zeit eine große Rolle spielte. Zwar wurden nicht alle Anschreiben einem Graphologen vorgelegt, es konnte jedoch sein, dass ein nicht handgeschriebenes Anschreiben im Papierkorb landete. Inzwischen löst sich diese Tradition auf, der auf dem Computer geschriebene Brief setzt sich auch bei der Bewerbung durch.
Anschreiben
Die Formulierung des Anschreibens ist in Frankreich sehr höflich und eher zurückhaltend, außerdem sollten kurze Sätze verwendet werden.
Sehr wichtig sind die richtige Anrede ("Madame, Monsieur oder Messieurs" ohne Nachname) und eine klassische Schlussformel, wie zum Beispiel
- "Je vous prie d´agréer, Monsieur, mes salutations distinguées"
- "Je vous prie de croire, Madame, Monsieur, en l´expression
- de mes sentiments les meilleurs"
- "Dans l´espoir que ma candidature retiendra vortre attention, je vous prie d´agréer, Madame, Monsieur, l´expression de mon entière considération".
Lebenslauf
Das in Deutschland obligatorische Foto wird nicht zwingend verlangt, es kann aber dem Lebenslauf beigefügt werden. Außerdem wird der Lebenslauf nicht datiert und unterschrieben. Er sollte möglichst kurz sein, etwa eine Seite, und übersichtlich und ansprechend aufgebaut sein. Der Lebenslauf enthält folgende Angaben:
- Persönliche Angaben (Name, Adresse, Telefonnummer, Alter, Staatsangehörigkeit, Familienstand)
- Ausbildung (Schule, Beruf, Studium)
- Berufserfahrung
- Praktika
- Besondere Kenntnisse (Sprachen, EDV)
- Sonstiges (Hobbys, außeruniversitäre oder nebenberufliche Aktivitäten, Stipendien, Veröffentlichungen).
Die persönlichen Angaben gehören grundsätzlich an den Beginn des Lebenslaufs, während die übrigen Angaben in der Reihenfolge variabel gestaltet werden können. Entsprechend dem Anforderungsprofil des potenziellen Arbeitgebers ist es sinnvoll, die relevanten Bereiche des Lebenslaufs zuerst und besonders ausführlich zu behandeln. Innerhalb der einzelnen Bereiche muss jedoch konsequent eine chronologische oder anti-chronologische Reihenfolge eingehalten werden. Darüber hinaus ist es in Frankreich teilweise üblich, dem Lebenslauf einen Abschnitt zur Karriereplanung voranzustellen, innerhalb dessen Bewerber ihre beruflichen Ziele ansprechen können.
Im Lebenslauf von Akademikern sollte die Universität genannt werden, besonders erwähnenswert ist dabei ein guter Platz in Hochschul-Rankings oder französische Partneruniversitäten der eigenen Universität. Dagegen legen französische Firmen wenig Wert auf Referenzen, die Aufzählung bisheriger Arbeitgeber ist ausreichend. Praktikanten bekommen in Frankreich lediglich eine Bescheinigung, dass sie in der betreffenden Firma in einem bestimmten Zeitraum ein Praktikum absolviert haben.
Wichtig: Die Persönlichkeit der Bewerber
Die Angabe der Hobbys und Interessen ist in Frankreich besonders wichtig, da großer Wert auf die Persönlichkeit der Bewerber gelegt wird. Noten sind in Frankreich meist zweitrangig und werden im Allgemeinen nicht im Lebenslauf angegeben - wenn sie angeführt werden, sollten sie unbedingt entweder erläutert (zum Beispiel Top 10 Prozent) oder mit dem französischen Notensystem verglichen werden. Auch die deutschen Bezeichnungen von Ausbildungsabschlüssen oder Berufsbezeichnungen sollten übersetzt oder vergleichend erklärt werden.
Im Gegensatz zur deutschen Bewerbung werden der französischen keine Zeugnis- oder Diplomkopien beigefügt; die Bewerbungsunterlagen können gefaltet und ohne Hüllen oder Hefter in einem Briefumschlag versandt werden. Dies ist auch insofern praktisch, als dass sie von französischen Firmen nur selten zurückgeschickt werden.
(Susanne Culo und Irene Gronegger, 14.04.2008)

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