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Nicht jeder Ärger mit dem Chef ist gleich ein Mobbing-Fall. Doch wen es trifft, der sollte wissen, was er unternehmen kann.
Das Wort Mobbing kommt aus dem Englischen und steht für Anpöbeln, Angreifen. Mittlerweile bezeichnet Mobbing in Deutschland systematische Schikane am Arbeitsplatz – im schlimmsten Fall mit dem Ziel, einen Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu vertreiben.
Was ist Mobbing?
Der schwedische Arbeitspsychologe Hans Leymann hat ein System entwickelt, mit dem analysiert werden kann, ob jemand ein Mobbingopfer ist. Leymann unterscheidet unter aus 45 verschiedenen schikanierenden Handlungen aus den Übergruppen Anschreien, Sprechverbot, bewusstes Unterfordern, Intrigen spinnen sowie körperliche Beeinträchtigung beziehungsweise sexuelle Belästigung.
Die Sozialforschungsstelle Dortmund hat in einer zwei Jahre alten Studie für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ermittelt, dass etwa drei Prozent der deutschen Beschäftigten unter Mobbing leiden. Diese Quote deckt sich mit den Erkenntnissen der Gewerkschaften Verdi und der IG Metall. Die Gewerkschaften hatten festgestellt, dass 40 Prozent der Mobbingopfer teils schwer, 20 Prozent sogar über sechs Wochen krank waren.
Welche Folgen kann Mobbing haben?
Depressionen, Schlafstörungen, Angstzustände, Essstörungen oder Rückenschmerzen sind die typischen Symptome von Mobbingpatienten. "Diese Leute haben auch ein enormes Mitteilungsbedürfnis", hat der Psychologe Josef Schwickerath beobachtet, wenn er in der Klinik Berus im Saarland mit seinen Patienten spricht.
Berus ist eines der bekanntesten Hospitäler für Mobbingopfer. Im schlimmsten Fall sind diese Patienten derart zerrüttet, dass sie nicht nur ihr Selbstbewusstsein, neu erlangen müssen, sondern gar auch ihren Geschmacks-, Tast-, oder Geruchssinn, wie Schwickerath berichtet.
Was können Mobbingopfer rechtlich tun?
Als Mobbingopfer mag man die Schikanen gut beschreiben können – ob das ausreicht, um vor Gericht Recht zu bekommen, ist fraglich. Zwar gibt es das besagte Gesetz, was gemobbten Arbeitnehmern Schadensersatzansprüche ermöglicht, "doch das ist relativ zahnlos", sagt der Darmstädter Rechtsanwalt Thomas Schmidt, der als Arbeitsrechtsexperte zahlreiche Mobbingopfer vertritt.
Denn die Beweislast ist das zentrale Problem für jedes Opfer. Denn Gerichte brauchen handfest Belege, um Arbeitgeber schuldig zu sprechen. Bestenfalls Zeugen. "Doch kaum ein Kollege stellt sich dafür zur Verfügung", sagt Rechtsanwalt Schmidt. "Schließlich haben die Leute auch Angst um ihre Jobs." Nur zehn Prozent der Opfer können daher mit Zeugen aufwarten.
Wie soll man einen Mobbingfall dokumentieren?
Schmidt rät zu penibel geführten Tagebüchern mit genauen Angaben zu Schikanen – wie Wortwahl und Uhrzeit. "Je exakter solche Listen geführt werden, umso mehr beeindruckt das die Gerichte", hat Schmidt festgestellt. Denn wer die Kraft aufbringt für solche Tagebücher, der durchlebt wirklich belastende Zeiten im Job. Unbedingt sind auch belastende E-Mails oder andere Schriftstücke zu sammeln.
Tonbandmitschnitte (etwa per Handy) hält Schmidt nur für bedingt geeignet, "die prozessuale Verwendung ist schwierig", sagt er. Schließlich könnten solche Aufnahmen auf manipuliert werden. Schmidt sieht für Mobbingopfer nur zwei Möglichkeiten, um im Zweifelsfall vor Gericht Recht zu bekommen: Schriftliche Dokumentation der Beleidigungen sowie der Versuch, den Mobber direkt zu konfrontieren.
An wen können sich Mobbingopfer wenden?
"Hier kann auch eine externe Hilfe zur Seite stehen." Freilich erfordert dieser Schritt viel Selbstbewusstsein, das durch den zermürbenden Alltag abhanden gekommen sein könnte. Auf keinen Fall darf das Mobbingopfer zu viele Kollegen im Betrieb in sein Problem einweihen, warnt Schmidt. Es droht die Gefahr, dass die persönlichen Sorgen im Unternehmen zerredet werden.
Für Opfer von Mobbingattacken am Arbeitsplatz gibt es längst viele Hilfeangebote. So betreibt der Verein für Arbeitsschutz und Gesundheit durch systemische Mobbingberatung und Mediation e.V. (Hannover) die Website www.mobbing-net.de.
Wo gibt es Rat im Internet?
Auf der Seite www.mobbing-rechtshilfe.de werden Rechtsanwälte mit dem Fachgebiet Arbeitsrecht vermittelt. Hilfe gibt es auch beim Berliner Informationsnetzwerk zum Thema Mobbing auf der Website www.mobbing-web.de Schließlich berät auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes: www.antidiskriminierungsstelle.de.
Wissenschaftler der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg hatten vor einiger Zeit eine Untersuchung gestartet mit dem Ziel, Mobbingopfer besser zu verstehen. Die Ergebnisse sollen helfen, Vorsorge- und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Dazu sind Betroffene aufgerufen, online über ihre Erfahrungen zu berichten. Die Untersuchung wurde in Kooperation mit Professor Dr. Christian Stamov Roßnagel, Professor für Organisationspsychologie an der Jacobs University in Bremen, durchgeführt. Die Ergebnisse werden bald mitgeteilt auf der Internetseite www.mobbing-studie.de.
(Johanna Berger, 14.07.2009 / Bild: Mapoli-Photo, Fotolia.com)

Weitere Informationen
Antidiskriminierungsstelle des Bundes
www.antidiskriminierungsstelle.de
Verein für Arbeitsschutz und Gesundheit durch systemische Mobbingberatung und Mediation e.V.
www.mobbing-net.de
Vermittlung von Rechtsanwälten mit dem Fachgebiet Arbeitsrecht
www.mobbing-rechtshilfe.de
Berliner Informationsnetzwerk zum Thema Mobbing
www.mobbing-web.de
Studie der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg
www.mobbing-studie.de
Rechtsanwaltssozietät Hensche
Praktische Tipps zum Thema Mobbing
www.hensche.de
Rechtsanwältin Dr. Sandra Flämig
Umfangreiche Webseite und Infothek zum Arbeitsrecht
www.kanzlei-flaemig.de