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Teamfähig soll ich sein, durchsetzungsstark aber auch. Wie passt das zusammen? Um den goldenen Mittelweg zu finden, ist es wichtig, deutlich und sachorientiert zu kommunizieren.
Von Christoph Stehr
Blaue Kunststofffässer, Seil, Holzbohlen und -platten – mehr haben die acht Männer und Frauen nicht zur Verfügung. Den einen oder die andere beschleicht ein mulmiges Gefühl. Ob eine Bootsfahrt wirklich lustig ist und schön, wie es im Lied heißt? Der Fluss sieht plötzlich verdammt breit und tief aus, die Strömung scheint zugenommen zu haben.
Flussfahrt mit der "Spirit of Controlling"
"Also los!", sagt Eva. Jochen fixiert zwei Fässer mit Latten, Frank schlingt Seil darum zurrt es fest. Bald liegen mehrere Reihen Fässer nebeneinander am Ufer. Die Gruppe vertäut Bohlen im rechten Winkel über den Latten, darauf kommen Bretter und Platten. Nach zwei Stunden ist das Floß fertig und wird zu Wasser gelassen.
Einen Namen hat es inzwischen auch: "Spirit of Controlling" – die Abteilung, in der die Konstrukteure arbeiten, hat Pate gestanden. Schnell finden Eva, Jochen, Frank und die anderen heraus, wie sie im richtigen Takt die Paddel eintauchen müssen, um das Floß zu steuern. Jetzt könnte die Strömung ruhig ein bisschen stärker sein.
Kooperation, Interaktion, Kommunikation
Teamtrainings wie dieses veranstaltet die Kölner Agentur Domset für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Teilnehmer stammen aus allen Berufen, Altersgruppen und Hierarchiestufen. Mal üben sie sich als "Agenten" im "Distance-Spying" mit GPS-Gerät, Kompass und Fernglas, mal bauen sie eine Seifenkiste, mal gehen sie auf Jeep-Safari.
"Kooperation, Interaktion und Kommunikation sind die Grundsäulen für funktionierende Teamstrukturen", erläutert Domset-Geschäftsführer Dominik Deubner. "Indem Action Learning Mitarbeiter aus dem Alltag reißt, ergeben sich Chancen, Kooperation, Interaktion und Kommunikation zu hinterfragen und zu optimieren."
Teamkultur bedeutet: nicht nur kuscheln
Der Event-Charakter sorge für Spaß und ein Wir-Gefühl im Team, stellt der Wirtschaftspsychologe Bernhard Hauser fest, der als Unternehmensberater in München arbeitet und eine Professur für Change Management und Action Learning an der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding hat. "Wenn das Eis gebrochen ist, kann die ungezwungene Atmosphäre genutzt werden, um heiße Eisen im Teamgeschehen konstruktiv zu bearbeiten", sagt Hauser. "Achten muss man vor allem darauf, dass es nicht nur um Unterhaltung geht, sondern auch der Transfer ins Berufsleben bearbeitet wird."
Dazu sei intensive Reflexion nötig. Außerdem müsse sich das Team an einige Regeln halten: Die Mitglieder begegnen sich offen, zugleich respektvoll. Vertrauliche Informationen werden nicht nach außen getragen. "Fordern und fördern", beschreibt Hauser die optimale Teamkultur.
Arbeitgeber erwarten Teamfähigkeit
Gemeinsinn nutzt allen Beteiligten, weil sich ihre unterschiedlichen Fähigkeiten ergänzen – getreu dem Motto: das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile. Bessere Ergebnisse steigern die Motivation, was zum langfristigen Team- und Unternehmenserfolg beiträgt.
So überrascht nicht, dass nach der aktuellen Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission 98 Prozent der Arbeitgeber Teamfähigkeit von Hochschulabsolventen erwarten. Andere Einstellungskriterien wie Berufserfahrung oder Praktika treten demgegenüber in den Hintergrund.
Profilieren oder produktiv sein?
Viele Absolventen fragen sich jedoch, wie sie ihre persönlichen Ziele, gerade im Hinblick auf Karriere, mit denen des Teams in Einklang bringen sollen: Sie haben Angst, "unsichtbar" zu werden, wenn sie sich zu gut einfügen. Und verlangen Unternehmen nicht auch immer Durchsetzungsvermögen und "Biss"?
Fairplay sei die Basis einer guten Teamarbeit, betont die Wiesbadener Pädagogin und Trainerin Cornelia Wirth, "doch heißt dies natürlich nicht, sich um des lieben Friedens willen als Teammitglied mit seiner Meinung zurückzuhalten". Der Ton macht die Musik: Wirth schlägt Formulierungen wie "Meine Meinung dazu ist … und wie siehst Du das?" vor, die selbstbewusst und konstruktiv zugleich sind. "Auf dieser Grundlage können dann Ergebnisoptionen, die dem gemeinsamen Ziel dienen, am besten gefunden werden."
Kommunikation hilft Konflikte lösen
Manchmal ist eine Auseinandersetzung aber unausweichlich. In diesem Fall empfiehlt Wirth deutliche Worte, damit der Konflikt im Team nicht chronisch wird. Wenn beide Seiten Dampf ablassen, klärt sich die Situation oft schon. Und es kommt nicht zum Schlimmsten: "Explosion als Gefühlsausbruch oder Implosion als Abbruch der Kommunikation und Zusammenarbeit ist der größte Schaden für das Gelingen von Teamarbeit", sagt Wirth, "denn die Sachebene wird verlassen und die Zielorientierung schwindet."
Auch hier hilft verbindliche Kommunikation. " Ich habe den Eindruck, dass wir nicht sachlich genug miteinander reden", sei gewissermaßen die verbale Notbremse, die eine Eskalation verhindere. Oder: "Wie können wir es schaffen, uns wieder mehr dem Thema zu widmen?"
Die Floßbauer haben solche Klippen erfolgreich umschifft. Nach insgesamt fünf Stunden ziehen sie ihr Gefährt wieder ans Ufer. Der Abend klingt in erster Linie fröhlich aus – feucht war es auf dem Wasser schon genug.
(Bild: Tom Wang)
Buchtipps: Teamgeist zum Anlesen
Bonkowski, F.: Team Building. 44 Aktionen, die verbinden, Aussaat, 2009, 4,90 Euro
Hofert, S./Visbal, T.: Ich hasse Teams! Wie Sie die Woche mit Kollegen überleben, Stark Verlagsgesellschaft, 12,95 Euro
Krüger, W.: Teams führen, Haufe-Lexware, 2009, 6,90 Euro
Maaß, E./Ritschl, K.: Teamgeist. Spiele und Übungen für die Teamentwicklung, Junfermann, 2008, 24,90 Euro
Schulz von Thun, F.: Miteinander reden, 3 Bände, rororo, 2011, zusammen 32,89 Euro