40/50plus: Strategien zur Jobsuche
Viele Wege führen zum neuen Job. Wenn Bewerber die Altersgrenze 40 oder bereits 50 überschritten haben, heißt es jedoch, die in der Vergangenheit vielleicht erfolgreiche Strategie der Jobsuche neu zu überdenken.
Von Doris Brenner
Wer älter als 40 Jahre ist - damit aus Personalersicht ein fortgeschrittenes Alter besitzt - und sich brav im Bewerberstapel auf eine Stellenausschreibung einreiht, der darf sich nicht wundern, wenn er bereits im Vorauswahlfilter hängen bleibt.
Nicht einfach in den Bewerberstapel einreihen
Unternehmen müssen oft aus hundert oder mehr Bewerbern drei bis fünf Kandidaten auswählen, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Da ist das Schema: - Mitte 30, passende Ausbildung, einschlägige Berufserfahrung und derzeit in vergleichbarer Position – eben häufig die Leitschnur, an der sich orientiert wird. Die Konsequenz: Wer über 40 ist fliegt raus.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine Bewerbung auf eine Stellenanzeige mit 40plus grundsätzlich erfolglos sein muss. Entscheidend ist, sich bereits vorab einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und sich aus der Masse der Bewerber abzuheben.
Kontakt zum Fachvorgesetzten suchen
Dies gelingt beispielsweise indem man versucht, mit dem potenziellen Fachvorgesetzten Kontakt aufzunehmen. In diesem Telefonat gilt es die eigenen Stärken in Bezug auf die Stelle deutlich herauszuarbeiten.
Eine Beratungskundin mit Anfang 50 berichtete mir kürzlich voller Stolz:
"Beim Gespräch mit dem Abteilungsleiter konnte ich mit meinen Branchenkenntnissen punkten. Auch die Altersfrage wollte ich abklären und bekam hier die Antwort, dass man sich für die nächsten Jahre Konstanz bei der schwierigen Aufgabe wünsche und jemanden, der sofort mit entsprechender Erfahrung einsteigen könne. Mein Alter und meine Branchenerfahrung waren da ein super Verkaufsargument und er bat mich, unbedingt meine Bewerbung zu schicken."
Wer jetzt sein Anschreiben mit dem Satz beginnen kann "wie mit Herrn XXX aus dem Fachbereich vereinbart, sende ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen", braucht keine Sorge zu haben, vom Personaler aus dem Rennen geworfen zu werden.
Erst sich selbst, dann die Bewerbungsunterlagen präsentieren
Besonders Erfolg versprechend ist der Weg über den persönlichen Erstkontakt wie z.B. bei Messeveranstaltungen. Ob Bewerberkontaktmessen wie die Jobinitiative Deutschland von Monster oder auch Fachmessen, diese Plattformen bieten die Möglichkeit, Auge in Auge mit dem Unternehmensvertreter ins Gespräch zu kommen.
Hier kann auch im fortgeschrittenen Alter für sich punkten, wer eine positive Grundhaltung und Energie ausstrahlt. Aufgeschlossenheit und Leistungsbereitschaft sind schließlich keine Sache des Alters. Im direkten Gespräch steht klar die Persönlichkeit im Vordergrund und nicht wie im Lebenslauf das Geburtsdatum.
Zeigen, was man kann
Vorurteile lassen sich am besten durch den Gegenbeweis abbauen. Es ist daher besonders wichtig, dass ältere Bewerber die Möglichkeit nutzen und Ihre Leistungsfähigkeit und ihr Können in der Praxis unter Beweis stellen. Probearbeitstage aber auch der Einsatz im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung bieten hierzu die Chance.
Auch wenn viele Bewerber hier eher skeptisch sind, in der Praxis stellt gerade die Arbeitnehmerüberlassung, sprich die Zeitarbeit, häufig ein Sprungbrett in ein neues Arbeitsverhältnis dar. Denn hat man erstmal bei einem Unternehmen den Fuß in der Tür, ergeben sich dort oft weitere interessante Jobangebote.
Kontakte als Wettbewerbsvorteil
Die Strategie mit den höchsten Erfolgsaussichten für Bewerber mit 40plus ist und bleibt jedoch der Weg über Kontakte und Netzwerke. Die Mehrzahl der älteren Bewerber ist sich dieses Wettbewerbsvorteils jedoch nicht bewusst.
Wer bereits zwanzig oder dreißig Jahre Berufserfahrung besitzt, hat im Laufe dieser Zeit eine Vielzahl von beruflichen Kontakten knüpfen können. Diese Kontakte gilt es nun ins Gedächtnis zurück zu rufen und aktiv aufzugreifen.
Soziale Netzwerke und Referenzen nutzen
Soziale Netzwerke wie xing oder linkedIn bieten hierbei unzählige Möglichkeiten, wieder auf Menschen zu stoßen, mit denen man schon zusammengearbeitet hat. Wo sind eigentlich der frühere Chef, die damalige Ansprechpartnerin beim Kunden oder die Studienkollegen aus der Lerngruppe heute tätig?
Wer auf eine positive, gemeinsame Zusammenarbeit in der Vergangenheit blicken kann, wird bei einer möglichen Stellenbesetzung gerne auf Bewährtes zurückgreifen. Sollte er nicht in der Lage sein die Einstellentscheidung zu treffen, kann er zumindest eine Empfehlung aussprechen. In der Regel verlassen sich Personalentscheider gerne auf solche Tipps. Schließlich steht der Faktor Risikoreduzierung ganz oben auf der Liste der Auswahlkriterien.
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(Bild: Günter Menzl, Fotolia.com)
Doris Brenner
ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Ihre Veröffentlichungen zu den Themen Bewerbung, Testverfahren, Berufsplanung und Arbeitstechniken sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.