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Perfekt formuliert: Die Initiativbewerbung

Nachdem Sie zunächst über Ihren potenziellen Arbeitgeber Recherchen angestellt haben, die Ihnen das nötige Background-Wissen vermittelt haben, und die erste telefonische Kontaktaufnahme erfolgreich hinter sich gebracht haben, geht es nun an das Anschreiben.

Lesen Sie auch Teil 1: Ratgeber Initiativbewerbung
 

Negativbeispiele
Positivbeispiele
So bitte nicht Sondern bitte so
Hallo Herr Mustermann Sehr geehrter Herr Mustermann
Ich habe gehört, dass bei Ihnen ein Stelle als ... frei wird In meiner telefonischen Kontaktaufnahme mit Herrn Mustermann sagte er mir, dass Ihr Unternehmen eine Stelle zu besetzen hat.
Herr Mustermann hat mir verraten, dass bei Ihnen eine Stelle als ... frei wird. In meinem gestrigen Telefonat mit Herrn Mustermann bat er mich, meine Bewerbung direkt an Sie zu richten.
Als ich Sie anrief, sagten Sie mir, dass ich mich durchaus bewerben soll. Vielen Dank für das angenehme Gespräch von gestern.
Konkret, gezielt und treffend  
Ich interessiere mich für eine Arbeit als Projektleiter und habe gehört, dass bei Ihnen eventuell ein solcher Posten frei sein könnte. Ich habe einige Erfahrung in dieser Tätigkeit und könnte mir vorstellen, dass das passt. Von Frau Mustermann habe ich telefonisch erfahren, dass in Ihrem Unternehmen eine Stelle als Projektleiter zu besetzen ist. Ich habe in den letzten vier Jahren zwei umfangreiche Industrialisierungsprojekte verantwortlich geleitet. Aufgaben wie Projektplanung, Budgetverfolgung, Überwachung der Durchführung, Berichterstattung an das Steuerteam und dergleichen sind mir bestens vertraut.
 
Ich möchte unbedingt bei Ihnen als EDV-Mann arbeiten, denn das macht mir sehr viel Spaß. Als IT-Administrator bei der XXX AG habe ich über 100 vernetzte PC-Arbeitsplätze verantwortlich betreut. Zu meinen Aufgaben gehörten auch die Datensicherheit und die Einweisung neuer Mitarbeiter im Umgang mit dem PC.
Das Thema Marketing hat mich schon immer interessiert. In meinen drei Jahren bei der Firma XXX AG habe ich Produkteinführungen mitbegleitet sowie Fachmessen und Kundenpräsentationen organisiert.
Keine leeren Aussagen  
Ich bin motiviert, flexibel, sehr belastbar und möchte mich gerne in Ihrem dynamischen Team einbringen. In den letzten fünf Jahren habe ich zusätzlich zu meinen regulären Aufgaben ein Sonderprojekt geleitet. Dabei hatte ich ein fünfköpfiges Team an meiner Seite, mit dem ich die Umstellung des firmeninternen DV-Netzes auf …, aus Gründen der internen Organisation ausschliesslich abends und am Wochenende durchgeführt habe.
Ich habe immer zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten gearbeitet. Meine Projekte habe ich mit großem Erfolg umgesetzt, so dass in der Produktion effektiver und ergonomischer gearbeitet werden konnte.
Ich war stets bereit, Neues hinzuzulernen. Ich habe mich kontinuierlich weitergebildet und mich in meinem Fach stets auf dem laufenden gehalten.
Bitte stellen Sie mir ein wenig Ihrer wertvollen Zeit zur Verfügung, damit ich Ihre Fragen beantworten kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir in einem persönlichen Gespräch alles weitere klären könnten.
Vom Grössenwahn zur Authentizität  
Sie können mich überall einsetzen: im Vertrieb, im Marketing oder im Einkauf. Ich löse alle Ihre Probleme. Nach zwei Jahren im Aussendienst habe ich bei der Firma XXX die Markteinführung von zwei innovativen Produkten im Bereich Marketing begleitet. In den letzten drei Jahren war ich stellvertretender Leiter des Rohstoffeinkaufs.
Ich bin vielseitig begabt, was mein bisheriger Arbeitgeber immer gerne betont. Im Verlauf meiner beruflichen Entwicklung hatte ich Gelegenheit, unterschiedliche Herausforderungen im Bereich Controlling, Kreditmanagement sowie Personalwesen mit Erfolg zu meistern.


Schließlich noch einige typische Sätze aus Anschreiben, die wir aus Sicht eines Personalmanagers kommentiert haben.

"Ihr Internetauftritt hat mir bereits einiges über Ihr Unternehmen verraten und mich in meinem Wunsch bestärkt, bei Ihnen zu arbeiten." Dass Sie sich im Vorfeld schlau gemacht haben, ist selbstverständlich und muss nicht erwähnt werden. Kommen Sie besser gleich zum Punkt!
"In der Erledigung meiner Aufgaben bin ich genau und gewissenhaft." Das will man doch hoffen.
"Für ein Gespräch stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung." Wirklich jederzeit? Lassen Sie solche Wörter weg und schreiben Sie "… stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung".
 
"Ich bin gerne bereit, Ihnen in einem persönlichen Gespräch alle Ihre Fragen zu beantworten." Wirklich alle? Besser: "… in einem persönlichen Gespräch offene Fragen zu klären."
"Ich bin eine dynamische Hochschulabsolventin und habe mein Studium erfolgreich abgeschlossen."

Doppelt gemoppelt: Eine Hochschulabsolventin hat zwangsläufig ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Prüfen Sie stets kritisch, was Sie schreiben.

"Da Ihr Unternehmen Marktführer für xxx ist und ich mir sehr gut vorstellen kann, bei Ihnen zu arbeiten, möchte ich mich gerne vorstellen." Erstens weiß die Firma, dass sie Marktführerin auf ihrem Gebiet ist. Zweitens bringt der Rest des Satzes keine Erkenntnisse, die das Interesse des Lesers wecken.
"Ihr Unternehmen scheint mir die Möglichkeit bieten zu können, in welche ich meine Fähigkeiten und Kenntnisse optimal einbringen und vor allem weiterentwickeln kann." "Scheint" es oder ist es tatsächlich so? Wenn nicht, warum bewerben Sie sich dort?


Lesen Sie auch Teil 1: Ratgeber Initiativbewerbung

(Giselle Chaumien-Wetterauer, GCW Communications)