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Die perfekte E-Mail-Bewerbung

Die perfekte E-Mail-Bewerbung

E-Mail-Bewerbung

 

Die klassische Bewerbungsmappe wird selten verlangt. Die meisten Unternehmen erwarten Online-Bewerbungen. Die Karriere-Experten Svenja Hofert und Jürgen Hesse geben Ratschläge.
 

Von Peter Ilg

Immer mehr Unternehmen haben auf ihrer Homepage ein Bewerbungsportal. Dort können sich Bewerber anmelden, online Formulare ausfüllen und Unterlagen wie Lebenslauf oder Zeugnisse hochladen. Einige Unternehmen führen sogar schon erste Bewerbungsgespräche online über das Skype. Firmen, für die sich ein Bewerberportal nicht lohnt, erwarten Bewerbungen via E-Mail.

E-Mail-Bewerbung und Online-Bewerbung. Was ist der Unterschied?

Doch was macht eine gute Online-Bewerbung aus? Wie bringt man Individualität in die Standardformulare der Portale? Und was sind kritische Punkte bei Online-Bewerbungen? Die Karriereberater Svenja Hofert und Jürgen Hesse wissen die Antworten.

Hofert stellt zunächst klar: "Inhaltlich bestehen zwischen einer Online- und einer Bewerbung über ein Portal keine Unterschiede." Beides sind digitale Formen einer Bewerbung und in einer solchen kommt es darauf an, auf die ausgeschriebene Stelle einzugehen. "Standard-Anschreiben, die an unterschiedliche Stellen geschickte werden, scheiden somit sofort aus", sagt Hofert. Copy and paste ist deshalb vergebene Mühe. Ob bei der E-Mail-Bewerbung nun das Bewerbungsschreiben gleich in der E-Mail steht oder in einem Dateianhang mitgeliefert wird, ist reine Geschmackssache. Die Alternative ist, in der Mail kurz darauf hinweisen, dass dies eine Bewerbung auf die Stelle XY ist, alles weitere im Anhang.

Das richtige Format und die richtige Größe wählen

Das sollten keine 24 Einzeldateien unterschiedlicher Formate und einer Dateigröße von über 10 MB sein. "Anschreiben, Lebenslauf mit Bild, Zeugnisse und Arbeitszeugnisse in einem PDF-Dokument zusammenführen mit maximal 2 bis 3 MB", rät Hofert. Betreffzeile nicht vergessen und auf Konsistenz der Namen achten. "Eine Mail an Hugo Müller schicken und das Anschreiben mit ‚Sehr geehrte Frau Maier' zu beginnen, kommt nicht gut an." Das Anschreiben auszudrucken, unterschreiben, einscannen und dann in das PDF-Dokument einzubinden ist nach Meinung von Hofert nicht notwendig. "Dieser Aufwand hebt noch schmälert er die Erfolgschancen."

Doch ob nun per E-Mail oder über das Portal: fehlerfrei sollte die Bewerbung schon sein. Hofert rät dringend, "die selbstverfassten Texte auszudrucken, sorgfältig zu lesen, am besten eine Nacht darüber schlafen". Und dann am nächsten Tag die Mail mit Anhang als Test an einen guten Freund schicken. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Wer es nicht ohnehin schon hat, sollte in seinem Mail-System eine Signatur einrichten, so dass das Unternehmen sich nicht nur per Mail, sondern eventuell auch telefonisch melden kann. Meldet sich die Firma nicht, kann nach Ablauf von einer Woche nachgehakt werden – auch um zu erfahren, ob die Mail beim richtigen Empfänger angekommen ist. "Spam-Filter und eine automatische Zuordnung in die falschen digitalen Postfächern verhindern mitunter solches."

Bewerberportale sind strukturiert

Das kann bei einer Bewerbung in einem Bewerberportal nicht passieren. Solche betreiben vor allem Konzerne, die tausende Bewerbungen bekommen, dort rentieren sich die teuren Programme. "Die Struktur der Bewerbung ist in solchen Portalen vorgegeben, das Vorgehen deshalb klar und eindeutig", sagt Jürgen Hesse. Die Herausforderung sei, dass man sich in viele Fragen hineindenken muss, während man bei einer E-Mail-Bewerbung alles selbst in der Hand hat. ‚Was sind Ihre Stärken?', ‚Wie schätzen Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse ein?, ‚Wie viel wollen Sie verdienen?', damit muss man sich erste einmal beschäftigen.

"Klappern gehört zwar zum Handwerk, doch müssen die Angaben vertrauenswürdig sein", sagt Hesse. Vertrauenswürdigkeit sei das oberste Gebot bei Bewerbungen. Und man müsse – falls es dazu kommt – im Bewerbungsgespräch noch wissen, was man angegeben hat. Alles andere wäre höchst peinlich. Eine Bewerbung über ein Portal ist zeitaufwendig.

Auch Online-Bewerbungen erst sorgfältig lesen

Und trotz digitaler Anonymität soll der Bewerber sympathisch, als interessante Persönlichkeit, leistungsmotiviert und kompetent herüberkommen. "Da sollten die gewählten Worte schon gut durchdacht sein", so Hesse. Deshalb gilt auch für das Bewerberportal: Finger weg vom ‚Senden-Button'. Die meisten Portale lassen nämlich zu, dass die Bewerbung gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt geöffnet, korrigiert oder ergänzt werden kann. "Diese Option sollte jeder für sich nutzen."

Ob nun die individuelle E-Mail oder die standardisierte Portalbewerbung aussagefähiger sind, das entscheiden laut Jürgen Hesse letztendlich die Firmen durch ihre bevorzugten Bewerbungswege selbst. "Aber weil die Strecke bis zum Ende lang und die Formulare ziemlich umfangreich sind, brechen bis zur Hälfte ihre Bewerbung in Portalen ab." Hesse und Hofert raten, wenn immer möglich, die E-Mail-Bewerbung dem Bewerberportal vorzuziehen.