CeBIT: Moderater Anstieg der IT-Gehälter
Die Gehälter in der ITK-Branche haben im Schnitt nur gering zugelegt. Anlässlich der CeBIT 2012 zeigt sich, wer die Gewinner und die Verlierer sind.
Von Peter Ilg
Im vergangenen Jahr sind die Jahresgehälter der Beschäftigten in der Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche (ITK) um durchschnittlich 2,2 Prozent gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie 'Entgelte in der ITK-Branche 2012'. Sie wurde von der IG Metall erhoben, auf der Computermesse Cebit präsentiert und steht auf einer empirisch breiten Grundlage: rund 28.200 Daten aus 132 Betrieben wurden für die Studie ausgewertet.
"Die Ergebnisse beschreiben den Ist-Zustand aus dem November 2011, unterteilt in über 70 unterschiedlichen Jobs in 16 Jobfamilien", sagt Hans-Joachim Weis. Weis ist als Bereichsleiter im IG-Metall-Vorstand für ITK-Themen zuständig. Außerdem biete die Analyse durch einen Langzeitvergleich einen guten Überblick über die jeweilige Job-Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, Ausbildungsvergütungen und Einstiegsgehälter in IT-Berufen.
Beispiel Software Engineering
Wie alle anderen Jobfamilien ist auch das Software Engineering aufgeteilt und es werden Gehälter vom Berufseinsteiger bis hin zum Leiter der Softwareentwicklung genannt. Ein Software Engineer steigt danach durchschnittlich mit 40.779 Euro Jahresgehalt ins Berufsleben ein und kann es als Leiter der Abteilung bis auf 95.363 Euro schaffen. Je höher ein Mitarbeiter auf der Karriereleiter steigt, umso größer ist der Anteil der variablen Gehaltsbestandteile am Gesamtgehalt. Beim Leiter Software Engineering liegen sie mit 15 Prozent fast doppelt so hoch wie beim Einsteiger.
"Die Gewinner der Gehaltsrunde 2011 arbeiten im kaufmännischen Bereich. Dort betragen die Gehaltssteigerungen bei Controllern etwa bis zu vier Prozent", so Weis. Auch die Gehälter von Hardwareentwicklern liegen mit 2,9 Prozent plus über dem Durchschnitt aller ITK-Bechäftigten. Software-Engieers liegen exakt auf dem Durchschnitt und nahezu unverändert blieben die Gehälter im Bereich Marketing und bei Call-Center-Agents.
Vom Call-Center zum Projektmanagement
In Call-Centern werden mit 14.392 Euro die niedrigsten, im Projektmanagement mit 48.388 Euro die höchsten Einstiegsgehälter gezahlt. Die höchsten Manager-Gehälter gibt es im Vertrieb. Vertriebsleiter verdienen durchschnittlich 107.509 Euro. Typischerweise ist im Vertrieb der variable Gehaltsbestandteil am höchsten und macht beim Vertriebsleiter fast die Hälfte seines Gesamteinkommens aus.
Weis nennt zwei Auffälligkeiten bei der Studie: "Zum einen sind die Gehälter in Betrieben ohne Tarifvertrag um gerade einmal 0,5 Prozent gestiegen, während die Steigerungsrate in tarifgebundenen Firmen bei 2,4 Prozent lag." Werden diese Teilwerte zusammengerechnet, so ergeben sich die moderaten 2,2 Prozent. Weis schätzt, das etwa ein Viertel der rund 858.000 Beschäftigten in der ITK-Branche einer Tarifbindung unterliegen. Eine Bindung kommt dann zustande, wenn das Unternehmen mit dem Arbeitgeberverband einen Tarifvertrag abschließt. Das geschieht auf freiwilliger Basis, und in Tarifverträgen werden beispielsweise Mindestlöhne geregelt.
Ist der Fachkräftemangel nur ein Hype?
"Der andere Punkt ist der, dass ein Fachkräftemangel offensichtlich nicht in dem ausgeprägten Maße existiert, wie ihn Verbände und Unternehmen propagieren." Auf der Cebit nannte der Computerbranchenverband Bitkom 38.000 offene Stellen für IT-Spezialisten, der Verein deutscher Ingenieure, VDI, geht von 30.500 vakanten Positionen aus. "Wäre der Mangel tatsächlich so groß, müssten durch das marktwirtschaftliche Spiel zwischen Angebot und Nachfrage die Gehälter deutlich gestiegen sein", so Weis. Sind sie aber nicht.
Die Fachzeitung 'Computerwoche' kommt in ihrer Gehaltsstudie auf einen Gehaltszuwachs von 2,3 Prozent bei IT-Fachkräften im Vergleich der Jahre 2011 mit 2010. Der Computerverband Bitkom beruft sich bei seiner Aussage auf eine Studie der Managementberatung Kienbaum und die hatte im November 2011 eine Prognose von 4,5 Prozent für Fach- und Führungskräfte abgegeben.
Gehalt: Vier Prozent Wachstum angestrebt
Eventuell kann die IG Metall eine "Vier" vor dem Komma in ihrer Studie für die Entwicklung der Gehälter 2012 verkünden. Die Gewerkschaft geht mit einer Forderung von 6,5 Prozent mehr in die anstehenden Tarifverhandlungen. Die Arbeitgeberverbände werden weniger bieten. In diesem Fall läuft das Spiel so, dass sich die Verhandlungsführer in der goldenen Mitte treffen.
(Bild: Andreas Haertle)