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Dienstwagen: So teuer ist die Steuer

Dienstwagen: So teuer ist die Steuer


Für die einen ein Statussymbol, für die anderen Gebrauchsgegenstand für Kundenbesuche: der Firmenwagen. Welche steuerlichen und sonstigen Spielregeln sind wichtig?



Von Christoph Stehr

Darf der Mitarbeiter den Dienstwagen auch privat nutzen, wird hierfür ein "geldwerter Vorteil" wie zusätzlich gezahltes Einkommen besteuert. Dabei sind zwei Berechnungsverfahren zulässig. Bei der Pauschalmethode wird pro Monat 1 Prozent des Neupreises nach Preisliste (auch bei einem Gebrauchtwagen!) angesetzt, also ohne Rabatte, aber mit Mehrwertsteuer und allen Extras. Der Neupreis wird für diese Berechnung auf volle 100 Euro abgerundet. Für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte werden pro Monat und Entfernungskilometer (einfache Strecke) weitere 0,03 Prozent hinzugerechnet.

Steuerliche Abzüge

Beispiel:
Bei einem Listenpreis von 30.000 Euro und einem Weg zur Arbeit von zwölf Kilometern sind zusätzlich zu versteuern 1 + (12 x 0,03) = 1,36 Prozent von 30.000 Euro = 408 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent zahlt der Arbeitnehmer zusätzlich 408 x 0,4 = 163,20 Euro für die private Nutzung des Firmenwagens ans Finanzamt.

Wichtig: Anstelle des Pauschalsatzes von 0,03 Prozent ist auch die Abrechnung von 0,002 Prozent pro Tag möglich, an dem der Firmenwagen tatsächlich für den Weg zur Arbeit genutzt wurde. Das lohnt vor allem für Firmenwagenfahrer die ihren Arbeitsplatz selten aufsuchen (z. B. wegen häufiger Dienstreisen) oder die trotz Firmenwagen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren.

Fahrtenbuch: Der umständliche Weg

Die zweite Möglichkeit ist der Einzelnachweis per Fahrtenbuch; er ist sehr aufwendig und lohnt nur bei geringer Privatnutzung. Außerdem muss der Arbeitgeber dem Mitarbeiter mitteilen, wie hoch die Gesamtkosten für den Firmenwagen waren.

Beispiel: Die Gesamtkosten liegen bei 12.000 Euro im Jahr. 15 Prozent der Gesamtfahrstrecke sind Privatfahrten und der Weg zur Arbeit. Zu versteuern sind 15 Prozent von 12.000 Euro = 1.800 Euro pro Jahr beziehungsweise 150 Euro pro Monat. Die zusätzliche Steuerbelastung bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent liegt bei 150 x 0,4 = 60 Euro.

Wichtig: Die Kosten für den Weg zur Arbeit sind auch bei Nutzung eines Firmenwagens steuerlich abzugsfähig. Hierfür können Sie pro Arbeitstag 0,30 Euro pro Entfernungskilometer (= einfache Strecke!) geltend machen.

Drei Entscheidungshilfen pro und contra Dienstwagen

Für eine Entscheidung für oder gegen einen Firmenwagen sind unter finanziellen Aspekten noch drei weitere Punkte von Bedeutung:

 Bei einem Verzicht des Mitarbeiters auf einen Firmenwagen spart der Arbeitgeber die Kosten für das Fahrzeug. Entsprechend wird der Mitarbeiter eine zusätzliche Gehaltserhöhung auszuhandeln versuchen. Dieses zusätzliche Nettogehalt gehört neben den Steuern ebenfalls zu den Kosten des Firmenwagens, denn bei einer Entscheidung für den Firmenwagen gibt es dieses Geld nicht.

 Zudem gibt es für Dienstreisen mit dem Privatwagen meist pauschal 0,30 Euro pro Kilometer vom Arbeitgeber als Kostenerstattung, und zwar steuer- und sozialversicherungsfrei! Das kann vor allem bei häufigen Dienstreisen mit älteren und verbrauchsarmen Fahrzeugen lukrativ sein – deren Betriebskosten können trotz der hohen Benzinpreise unter 0,30 Euro liegen, da der oft immense Wertverlust neuerer Autos kaum noch zu Buche schlägt. Bei einer Entscheidung für einen Firmenwagen fällt dieser "Gewinn" weg und ist als zusätzliche Kosten des Firmenwagens zu verbuchen. Wer hingegen einen neueren Privatwagen für die Firma nutzt und nur 0,30 Euro pro Kilometer für eine Dienstreise bekommt, legt dabei aus der eigenen Tasche drauf – ein zusätzliches Argument für den Firmenwagen!

 Weiterhin kann man bei einer Entscheidung für einen Firmenwagen seinen Privatwagen verkaufen, das Geld anlegen und damit Zinseinnahmen erzielen, auch wenn diese beim derzeitigen Zinsniveau sehr bescheiden ausfallen werden. Außerdem fällt der zukünftige Wertverlust dann im Firmenwagen und nicht im Privatwagen an und belastet das Konto des Arbeitgebers.

Gesamtkosten des Firmenwagens

Die Gesamtkosten des Firmenwagens setzen sich also zusammen aus den zusätzlich zu zahlenden Steuern, dem Verzicht auf zusätzliches Gehalt und dem möglichen Gewinn oder Verlust für Dienstreisen mit dem Privatwagen. Davon müssen die zusätzlichen Erträge aus dem möglichen Verkauf des Privatwagens abgezogen werden. Das Ergebnis dieser Rechnung ist dann mit den Kosten des Privatwagens zu vergleichen. Zusätzlich ist zu bedenken, dass Firmenwagen meist überdurchschnittlich ausgestattete Neuwagen oder "junge Gebrauchte" sind, während Privatwagen oft schon einige Jahre auf dem Buckel haben.

Wichtig: Die derzeitigen Rekordpreise für Benzin und die meist sehr gute Ausstattung bei zugleich sehr moderater Besteuerung werden in vielen Fällen für den Firmenwagen sprechen. Bedenken Sie aber, dass steuerliche Regelungen auch geändert werden können. So war bereits mehrfach eine Erhöhung des Pauschalsteuersatzes von einem auf 1,5 Prozent in der Diskussion.

Regeln des Arbeitgebers beachten

Vor der Entscheidung für einen Firmenwagen ist auch ein Blick in die Dienstwagenordnung sinnvoll: Können Ehegatte oder Lebenspartner den Wagen ebenfalls nutzen? Sind Privatfahrten ins Ausland erlaubt? Ebenfalls wichtig sind Punkte wie eine mögliche Selbstbeteiligung des Arbeitnehmers an Unterhalt und Pflege oder auch an den Kosten eines Unfalls, die dann ebenfalls in die Kostenrechnung gehören.

Besonders bedeutend sind die Regelungen bei einer Kündigung und da vor allem bei einer Freistellung. Der Arbeitnehmer darf den Wagen hier nicht einfach einbehalten, wenn der Arbeitgeber ihn zurückfordert. Ist der Firmenwagen Bestandteil der Vergütung, kann der Mitarbeiter jedoch eine Entschädigung verlangen. Wer einen Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag schließt, sollte unbedingt auch diesen Punkt regeln.

Es sind also eine Menge Punkte bei der Entscheidung für einen Firmenwagen zu beachten. Einfach haben es nur die Arbeitnehmer, zu deren Position der Firmenwagen einfach dazugehört: Welches Bild gäbe der Bereichsleiter eines Großunternehmens ab, der beim Kunden in einem 20 Jahre alten, rostigen Kleinwagen vorfährt?

( Bild: Helder Almeida, istockphoto)


Martin Kinkel / Dipl.-Volkswirt und Dipl.-Kaufmann, ist freier Fachautor und Dozent zu Finanz-, Steuer- und Versicherungsthemen.
Er ist Verfasser des Ratgebers "Job & Money für jüngere Arbeitnehmer".

www.jobmoney.de

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