Skip to main content

Wer steht für was? Die aktuelle Rentendebatte


Die aktuelle Rentendebatte

Alle reden über die Rente, aber wer will eigentlich was? Im ersten Teil der neuen Serie zur gesetzlichen Altersvorsorge gibt Cornelia Görner von finanzen.de einen Überblick über die aktuelle Debatte und die Positionen der Parteien.





Von Cornelia Görner


Die aktuelle Rentendebatte

Wäre es nach Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gegangen, so würde es ab 2013 eine beitragsfinanzierte Zuschussrente geben, welche die Altersbezüge von Geringverdienern auf bis zu 850 Euro aufstockt. Doch statt Applaus für den Versuch, Deutschland vor einer drohenden Altersarmut zu retten, erntete die Ministerin fortwährend Kritik von allen Seiten. Ein Überblick, wer zurzeit über die gesetzliche Rente diskutiert - und warum.

Wozu ein Rentenreformpaket?

Eines ist sicher: So gut wie die heutigen Ruheständler werden es die kommenden Rentnergenerationen nicht mehr haben, wenn alles so bleibt wie es ist. Die Zahl derjenigen, die im Alter von Armut bedroht sind, wächst stetig und selbst solche Menschen, die ein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, müssen sich darauf einstellen, ihren Lebensstandard im Alter zu senken.

Die Angst vor der Altersarmut geht um

Die Furcht vor Altersarmut sitzt bereits jetzt tief in unserer Gesellschaft, wie eine aktuelle Erhebung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) belegt. Demnach glauben sieben von zehn Befragten, dass sie im Alter nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen werden, um ihren Lebensabend zu bestreiten. Die bundesweite Umfrage "DGB-Index Gute Arbeit 2012" des Deutschen Gewerkschaftsbundes brachte ähnliche Ergebnisse: Bei den 25- bis 35-jährigen Beschäftigten glaubte hier sogar jeder zweite nicht daran, von den späteren Rentenzahlungen leben zu können.

Die Grenzen der gesetzlichen Rentenversicherung

Die Angst ist nicht ganz unbegründet. Denn die Altersarmut wird in Deutschland vor allem auch deswegen weiter zunehmen, weil die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig sinken. Schließlich müssen immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren, die ihre Rentenzahlungen wegen der gestiegenen Lebenserwartung zudem länger beziehen als früher. Wer sich heutzutage als junger Mensch nicht rechtzeitig um eine zusätzliche private und betriebliche Altersvorsorge bemüht oder sich die zusätzliche Vorsorge einfach nicht leisten kann, könnte nach dem Arbeitsleben darum schlichtweg zu wenig Geld zum Leben zur Verfügung haben.

Viele Rentenkonzepte, ein Ziel: Altersarmut bekämpfen

In der Politik ist man sich aus diesem Grund einig, dass Deutschland ein neues Rentenkonzept braucht. Allerdings haben die einzelnen Parteien zum Teil sehr unterschiedliche Ansichten darüber, wie genau die Altersarmut verhindert werden könnte. Mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst 2013 diskutieren die Regierungs- und Oppositionsparteien ihre Rentenkonzepte schon seit Monaten äußerst öffentlichkeitswirksam. Es fällt schwer, bei all den Vorschlägen zur Bekämpfung der Altersarmut den Überblick zu behalten, denn selbst innerhalb der Union kursierten zwischenzeitlich drei Konzepte für eine neue Altersvorsorge.

Unionsinterne Rentendebatte: Von der Zuschussrente...

Bereits im Herbst 2011 begann die Bundesregierung, eine Rentenreform zu planen. Den Vorstoß für verschiedene Neuerungen bei der Rente lieferte die Bundesarbeitsministerin. Mit ihrem Rentenreformpaket wollte Ursula von der Leyen (CDU) vor allem Geringverdiener vor dem Gang zum Sozialamt im Alter bewahren. Im Kern sah das von der Bundesarbeitsministerin geschnürte Reformpaket die Einführung von Zuschussrente und Kombirente, eine verbesserte Erwerbsminderungsrente und eine obligatorische Altersvorsorge für Selbstständige vor. Ihre Vorschläge stießen - selbst in den eigenen Reihen - allerdings auf heftigen Widerstand. Während die Christsozialen vor allem darauf drängten, die Kindererziehungszeiten bei der Rentenberechnung stärker zu berücksichtigen, verlangte die Junge Union nach einer besseren Förderung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge.

...zur Lebensleistungsrente

Eine beitragsfinanzierte Zuschussrente nach den Plänen der Bundesarbeitsministerin rückte in der Rentendebatte mehr und mehr aus dem Blickfeld. Die FDP plädierte gegen eine Umverteilung im beitragsfinanzierten Rentenversicherungssystem und forderte auch weiterhin einen Sozialausgleich, der über das Steuersystem aus dem Bundeshaushalt organisiert wird. Nach den jüngsten Beschlüssen der schwarz-gelben Koalition steht nun plötzlich ein völlig neues Konzept auf der Agenda: die Lebensleistungsrente. Was genau sich hinter dieser Idee versteckt, darüber streitet man auch nach den Koalitionsbeschlüssen weiter. Wie die geplante Mini-Rente gesetzlich verankert werden soll, ist bisher noch unklar.

Die Rentenkonzepte von SPD, Grünen und Linkspartei

Das mehrfach überarbeitete Rentenkonzept der Sozialdemokraten sieht derweil insbesondere einen Ausbau der Betriebsrenten und eine steuerfinanzierte Solidarrente für langjährig versicherte Geringverdiener vor. Zudem, so die jüngsten Pläne von SPD-Chef Sigmar Gabriel, soll die Rente mit 67 korrigiert werden. Wer 45 Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen kann, soll dann auch schon vor dem 65. Lebensjahr seinen Lebensabend genießen dürfen. Das sehen die Grünen anders: Sie bekannten sich grundsätzlich zur Rente mit 67 und forderten zuletzt eine armutsfeste Garantierente. Die Linkspartei nennt ihren Kampf gegen die Altersarmut ähnlich und verlangt eine steuerfinanzierte Solidarische Mindestrente.

Lesen Sie ab 10. Dezember 2012: Die Zuschussrente ist vom Tisch und die Politik diskutiert über eine steuerfinanzierte Lebensleistungsrente. Was steckt dahinter?

(Bild: Aleksandar Nakic, istockphoto)


Cornelia Görner arbeitet als Redakteurin für die finanzen.de AG in Berlin und schreibt unter anderem für das Fachportal www.rente.com zu den Themen Rente und private Altersvorsorge.

Google+ Profil von