Arbeitsmarkt Pflegebranche: Bald hundertausend Stellen unbesetzt
Heute Berlin, morgen München, übermorgen Schanghai: Jobmobilität ist schwierig, wenn beide Partner eine Karriere haben. Neue Personalkonzepte wie "Dual Career Services" sollen helfen.
Von Francoise Hauser
Spitzenmanager mit hauptberuflicher Ehefrau ohne eigene Ambitionen - diese Beziehungskombination wird dank hoher Frauenquoten unter Studienabsolventen immer seltener. Kein Wunder, dass die Partner(innen) immer weniger bereit sind ihre eigne Karriere auf Eis zu legen, um dem "Hauptverdiener" die berufliche Fortentwicklung zu ermöglichen. Doch passen Mobilität im Doppelpack und Beziehungen überhaupt zueinander?
Vorreiter Wissenschaft
Die Universitäten haben es vorgemacht: 2007 wurde der erste deutsche Dual Career Service Center eingerichtet, der den Partnerinnen und Partnern der neu zugezogenen wissenschaftlichen Fachkräfte schon im Vorfeld unterstützend unter die Arme greift - heute gibt es mehr als 60 dieser Einrichtungen an quasi allen großen Hochschulen des Landes.
Der Grund ist einfach: "Der Wissenschaftsbetrieb fordert Mobilität, ja braucht sie sogar. Mit dem Verbot der "Hausberufungen" an der eigenen Uni geht ein Ortswechsel zwingend einher", so Katharina Klaas, Leiterin des Dual Career Service Centers der Universität Freiburg: "Für Wissenschaft und Forschung, die sich gegenseitig befruchten sollen, ein grundlegendes Prinzip".
Immer mehr Doppelkarrierepaare
Problematisch ist: Längst überwiegen die "Doppelkarrierepaare", also Partnerschaften, in denen beide Partner eine berufliche Erfüllung anstreben. Lässt sich der Ortswechsel nicht auch mit der Karriere des Partners verbinden, entscheiden sich Bewerber immer häufiger gegen eine neue Stelle. Gerade Hochschulen und Forschungseinrichtungen jenseits der großen Ballungsgebiete, wie eben auch Freiburg, sind von diesem Phänomen betroffen.
Dual Career im Auswärtigen Amt
Interview
mit dem Leiter der Zentralabteilung des Auswärtigen Amts, Ministerialdirektor Hans Carl von Werthern
Hier kommt Katharina Klaas ins Spiel: Seit 2008 vermittelt sie den Partnern Kontakte zu den Arbeitgebern der Region auf möglichst hochrangiger Ebene. Auch wenn es um Sprachkurse, eventuell nützliche Weiterbildungen und ganz allgemein die Schaffung eines geeigneten Hintergrunds inklusive Kinderbetreuung geht, betreut Klaas ihren Klienten.
Umgekehrtes Headhunting
Als Personalagentur sieht sie sich jedoch nicht: "Dahinter steckt kein Profit, Geld spielt bei uns keine Rolle". Im Grunde, so Klaas, handelt es sich um "umgekehrtes Headhunting: Wir haben die Kandidaten und suchen die Stellen". Ein immens wichtiger Aspekt für Katharina Klaas, denn gerade Städte wie Freiburg profitieren davon: "Wir bringen Humankapital in die Region".
Auch die großen Arbeitgeber Deutschlands haben diesen Trend erkannt. Theoretisch. Immerhin arbeiten viele große Unternehmen aktiv mit den Dual Career Services zusammen und wissen die Vorschläge der DCS zu schätzen. Die Universität also als Vorbild für die Wirtschaft? Ein Impulsgeber sind die universitären Dual Career Center allemal: "Die Berufstätigkeit des Partners wird vor allem bei einem Standortwechsel zunehmend thematisiert", so Dirk Haushalter, Pressesprecher der Stuttgarter Bosch-Gruppe.
Dual Career Unterstützung noch am Anfang
War das noch vor zwanzig Jahren eher selten der Fall, fragen Mitarbeiter heute häufiger nach Einsatzmöglichkeiten für die Partnerin oder (in noch seltenen Fällen) den Partner. Bei nationalen als auch internationalen Entsendungen prüft Bosch bei Bedarf zusammen mit dem Mitarbeiter, ob geeignete Stellen für den Partner am neuen Standort verfügbar sind. Zudem hält das Technologieunternehmen den Kontakt zu universitären Dual Career Centern und unterstützt geeignete Weiterbildungen, die bei der Rückkehr nach Deutschland den Wiedereinstieg erleichtern.
Dennoch warnt Dirk Haushalter vor überzogenem Enthusiasmus: "Wir stehen noch am Anfang. Seit dem Ausbau des Diversity-Bereichs legen wir zwar deutlich mehr Augenmerk auf Dual Career Belange, wir wollen aber noch besser werden. Zudem, so Haushalter, funktioniere die Doppelkarriere nur, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen. Bei Bosch wird daher parallel auch am Ausbau der Betreuungsmöglichleiten für den Nachwuchs von morgen gearbeitet: Kindergartenplätze und flexible Arbeitszeiten sollten Doppelkarrierepaare aktiv unterstützen.
Doppelkarriere im Dienst für die Heimat
Ähnlich aktiv geht auch das Auswärtige Amt mit den Doppelkarrieren um - immerhin gehört räumliche Flexibilität untrennbar zur diplomatischen Karriere: "An ausgewählten Vertretungen wird derzeit die Etablierung eines "Community Liaison Officers"(CLO) erprobt, der die mitausreisenden Partner in Beschäftigungsfragen betreut und berät.
Die Einstellung von Partnerinnen und Partnern als Ortskräfte an den Vertretungen sowie bei "amtsnahen" Arbeitgebern (zum Beispiel Deutsche Schule, Internationale Organisationen, GIZ) ist eine wichtige Maßnahme. Das Auswärtige Amt hat mit Goethe-Institut und DAAD eine Stellenpool-Vereinbarung getroffen, weitere sollen hinzukommen" so der Leiter der Zentralabteilung des Auswärtigen Amts, Ministerialdirektor Hans Carl von Werthern.
Mit dem steigenden Fachkräftemangel könnte dieses Vorbild einen neuen Trend in der Wirtschaft setzen - schließlich gilt für die viele qualifizierte Arbeitnehmer: Nicht mehr ohne meinen Partner!
(Bild: olly)
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Interview
mit dem Leiter der Zentralabteilung des Auswärtigen Amts, Ministerialdirektor Hans Carl von Werthern