Topjobs für Frauen: Nutzen Sie die Chance
Mehr Frauen in den Chefsessel! Ob mit Quote oder ohne, das ist zu schaffen, die Frauen müssen es nur machen, sagt Karriereberaterin Doris Brenner und gibt Tipps.
Von Doris Brenner
Die Ausgangslage ist günstig: Unternehmen haben derzeit einen enormen Bedarf an qualifizierten Mitarbeiterinnen in Fach- und Führungspositionen. Formale Frauenquote hin oder her – der soziale Druck in den Organisationen steigt, weibliche Kandidaten für interne Förderkreise oder bei der externen Bewerberauswahl präsentieren zu können.
Eigene Fähigkeiten erkennen und dazu stehen
So hören Personalberater von ihren Kunden ganz explizit den Wunsch, Frauen auf der Shortlist der Vorschläge haben zu wollen. Die aktuellen Meldungen, dass wegen der fehlenden gesetzlichen Frauenquote deutschen Unternehmen im europäischen Ausland Wettbewerbsnachteile drohen, gießt zusätzlich Öl aufs Feuer. Damit bieten sich sehr gute berufliche Chancen für das weibliche Geschlecht. Diese gilt es aber auch zu nutzen.
Der erste Schritt sollte dabei eine realistische Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten sein. In der Beratungspraxis ist leider immer wieder zu erleben, dass Frauen ihre Qualifikationen und Leistungen nicht wirklich erkennen und wertschätzen. Finden auch Sie zahlreiche Gründe, warum anderen die Lorbeeren Ihres Erfolgs verdienen oder ganz einfach Glück die Ursache für das positive Ergebnis Ihrer Arbeit ist? Bekennen Sie sich zu Ihren Leistungen.
Selbstmarketing muss nicht unseriös sein
Klappern gehört nun mal zum Handwerk. Lernen Sie Ihre Erfolge auch nach außen sichtbar zu machen. Sie meinen, das ist unseriös und nur etwas für Angeber? Entscheidend ist, dass Sie nicht nur Luft verkaufen sondern tatsächlich auch die Fähigkeiten besitzen, die zu positiven Ergebnissen geführt haben. Dies auch nach außen zu kommunizieren fällt meistens leichter, wenn Sie dies an konkreten Beispielen auch belegen können.
Sie brauchen sicht nicht in Superlativen als "die Tollste und Beste" anzupreisen. Liefern Sie stattdessen anschauliche und nachvollziehbare Leistungsbeweise aus der Praxis. "Mir ist es gelungen durch das Projekt die Kosten um 15 Prozent zu reduzieren" ist absolut seriöses Selbstmarketing und hat nichts mit Angabe zu tun. In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie zu Ihren Erfolgen stehen, indem Sie auch bereit sind z.B. in Abteilungsrunden oder auch bei externen Vorträgen Ihre Ergebnisse selbst zu präsentieren. Lernen Sie sichtbar zu sein, denn nur so können Sie auch als Talent erkannt werden.
Trauen Sie sich etwas zu
Wenn es darum geht, den nächsten Karriereschritt zu tun, bedeutet das auch mit Unsicherheiten umgehen zu lernen. Häufig argumentieren Frauen damit, nicht alle Anforderungen der vakanten Position erfüllen zu können und sich daher nicht darauf zu bewerben. Aber wenn Sie alles schon beherrschen, wäre es ja auch keine Herausforderung mehr an der Sie lernen und sich weiterentwickeln können.
Wie sagte eine Führungskraft unlängst so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben. Trauen Sie sich also etwas zu und verlassen Sie sich auf Ihre Fähigkeiten, Ihre bisherige Erfahrung und Ihre Intuition bei der Bewältigung neuer Aufgaben. Ihr männlicher Mitbewerber wird in der Regel auch nicht alle Anforderungskriterien bereits abdecken können, sieht dies aber eher als Herausforderung denn als Bedrohung.
Allianzen und Unterstützung suchen
Ein wesentlicher Karrierefaktor stellen Netzwerke und Kontakte dar. Dabei funktionieren die "old boys networks" außerordentlich zuverlässig. So werden wichtige Entscheidungen – auch wer einen Auftrag oder den vakanten Job bekommt- nicht in erster Linie am Verhandlungstisch getroffen, sondern viel häufiger beim informellen Bier oder Glas Wein während der Abendveranstaltung. Auch wenn Frauen in der Mehrzahl der privaten Partnerschaften für die sozialen Kontakte zuständig sind, die Freizeittermine ausmachen und die Geschenke für den anstehenden Geburtstag besorgen, besteht beim beruflichen Networking entscheidender Nachholbedarf.
Neben Branchen- und Berufsverbänden gibt es zwischenzeitlich auch eine Vielzahl von professionellen Frauenverbänden, die gute Möglichkeiten für ein berufliches Kontaktnetzwerk bieten: Bundesverband der Frau in Business und Management e.V. (bfbm) www.bfbm.de , business and professional women (bpw) www.bpw-germany.de, European Women`s Management Development International Networking (EWMD) www.ewmd.org
Authentisch bleiben
Verstärkt werden gezielt für Frauen spezielle Mentorinnenprogramme angeboten, bei denen erfahrene Führungskräfte beratend zur Seite stehen. Unter www.berufsziel.de/mentoren-programme.html sind einschlägige Angebote aufgeführt. Auch professionelle KarriereberaterInnen können eine wertvolle Unterstützung bei der Verfolgung beruflicher Ziele bieten. (www.dgfk.org)
Seien Sie sich bewusst, Ihr stärkstes Argument sind Sie selbst. Bekennen Sie sich zu Ihrem Profil, werden Sie zum Markenzeichen, das unverwechselbar seine Ideen und Werte vertritt. Nur wer für eine Sache steht und nicht sein Fähnchen in den Wind hängt wird ernst genommen. Die Neigung vieler Frauen es allen immer recht machen zu wollen, ist auf Dauer furchtbar anstrengend und wird nicht wirklich honoriert. Es gilt mit dem nötigen Fingerspitzengefühl seine Interessen zu vertreten, auch bei Widerständen klar Position zu beziehen und sich nicht sofort einschüchtern zu lassen.
Nicht unter Wert verkaufen
Gehaltsuntersuchungen belegen immer wieder, dass Frauen bei gleicher Qualifikation häufig weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Dies ausschließlich Arbeitgebern anzulasten, ist sicherlich nur die halbe Wahrheit. In der Praxis zeigt sicher häufig, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen viel zu bescheiden auftreten, sich unter Wert verkaufen und einfach mit weniger Gehalt zufrieden sind.
Lernen Sie, Ihre Interessen seriös und professionell zu vertreten und entsprechend zu argumentieren. Orientieren Sie sich mit Ihren Gehaltsvorstellungen an den Marktgegebenheiten. Hierzu finden Sie sowohl bei Berufsverbänden aber auch bei monster http://karriere-journal.monster.de/geld-gehalt/gehaltstabellen/jobs.aspx Orientierungshilfen. Stellen Sie den Nutzen, den Sie dem Unternehmen bieten können in den Vordergrund und halten Sie auch mal die Spannung aus, wenn Ihr Gegenüber nicht sofort auf Ihre Gehaltsvorstellungen eingehen möchte.
Die Chancen für den nächsten beruflichen Schritt stehen gut, also packen Sie es an.
(Bild: Joshua Hodge Photography)
Doris Brenner ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Ihre Veröffentlichungen zu den Themen Bewerbung, Testverfahren, Berufsplanung und Arbeitstechniken sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.
www.karriereabc.de