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Weiterbildung: Plädoyer für lebenslänglich

Weiterbildung: Plädoyer für lebenslänglich


Weiterbildung: Plädoyer für lebenslänglich Karrierestrategien, Teil vier: Wissen ist Macht. Aber Wissen veraltet auch. Deshalb kommen gerade Hochqualifizierte nicht um "lebenslanges Lernen" herum. Je renommierter die Weiterbildung ist, desto bessere Karrierechancen eröffnet sie.





Von Christoph Stehr

Verleger Florian Langenscheidt hat einen, der frühere Continental-Chef Manfred Wennemer auch. Siemens-Vorstandsmitglied Barbara Kux ist im Club, so wie der britische Außenminister William Hague oder Prinz Jean von Luxemburg. Es gibt sogar einige "Alumni", die gibt's gar nicht: Largo Winch, den Helden der gleichnamigen belgischen Comic-Serie, und Elmira Gulzhan, eine Figur aus dem Wirtschafts-Thriller "The Fear Index" von Robert Harris.

Die Rede ist von einem Abschluss der Business School Insead im französischen Fontainebleau. Seit 1957 bietet die Schule Aus- und Weiterbildung für Hochschulabsolventen und erfahrene Manager. Wer das einjährige Programm zum Master of Business Administration (MBA) oder – noch besser – den Top-Kurs zum Executive MBA erfolgreich abschließt, wechselt im Job häufig auf die Überholspur.

29 Stunden pauken

Weiterbildung hat Konjunktur, mehr denn je. "Künftig muss die Wirtschaft mit zunehmenden Fachkräfteengpässen rechnen – und das erfordert noch mehr Engagement. Dazu bietet die betriebliche Weiterbildung eine gute und ausbaufähige Basis", sagte Professor Michael Hüther, Präsisiumsmitglied des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (iw) 2012 bei der Vorstellung der siebten IW-Weiterbildungserhebung 2012.

Danach schicken 83 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiter in berufsbegleitende Studiengänge, Kurse oder Workshops. Durchschnittlich 29 Stunden jährlich verbringt ein Arbeitnehmer mit Weiterbildung. Zehn Stunden davon steuert er aus seinem Freizeitbudget bei. Im Vorkrisenjahr 2007, bei der letzten IW-Erhebung, waren es insgesamt 22 Stunden, von denen nur fünf außerhalb der regulären Arbeitszeit lagen.

Lernen und Arbeiten

Eine Untersuchung des Wuppertaler Kreises, eines Verbands von Weiterbildungseinrichtungen, zeigt, dass Lernen und Arbeiten zunehmend verzahnt werden. Statt graue Theorie zu büffeln, tanken die Teilnehmer Wissen, das sie sofort am Arbeitsplatz anwenden. Die Lernformen werden vielfältiger – die klassische Frontalberieselung im Seminarraum weicht einer Kombination aus Fallstudien, Kleingruppenarbeit, Outdoor-Elementen und Selbstlernen am PC.

In den kommenden drei Jahren, so die Untersuchung, werden Inhalte wie Fremdsprachen, interkulturelle Kompetenz, Mitarbeiterführung und Beratungskompetenz immer wichtiger werden.

Viel hilft nicht viel

"Wer sich nicht weiterbildet, legt den Rückwärtsgang ein", warnt Jürgen Hesse, Gründer des bundesweit tätigen Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. "Die Welt um Sie herum verändert sich ständig – damit müssen Sie Schritt halten, sonst verlieren Sie den Anschluss, schlimmstenfalls eines Tages sogar den Job."

Allerdings ist Weiterbildung nach dem Motto "viel hilft viel" der falsche Weg. Ein Japanischkurs bringt einem Arbeitnehmer wenig, wenn sein Unternehmen ausschließlich auf dem deutschen Markt operiert. "Wichtig ist, Weiterbildung stringent zu planen", sagt Hesse. "Wie kann ich sie beruflich nutzen? Was bringt sie mir und dem Unternehmen für das ich arbeite? Ist der Aufwand gerechtfertigt? Reicht meine Motivation bis zum Abschluss?"

Gute Weiterbildung ist harte Arbeit

Am letzten Punkt scheitern viele Bildungshungrige. Sie starten mit großem Schwung, knicken aber ein, wenn der inhaltliche Anspruch steigt und sie einzelne Prüfungen verhauen. Hinzu kommt die finanzielle Belastung, die bei einem Edel-Programm wie in Insead hohe fünfstellige Beträge betragen kann. Manches MBA-Studium kostet inklusive der Aufwendungen für Fahrt- und Hotelkosten während der Präsenzphasen sogar über 100.000 Euro. "Unterschätzen Sie nicht die Doppel- bis Dreifachbelastung durch Arbeit, Privatleben und Weiterbildung", warnt Hesse.

Persönlichkeit zählt

Welche Weiterbildung sich für wen eignet, hängt vom Beruf und den Karriereambitionen ab. Ist die "Halbwertzeit" des Wissens in einem Beruf sehr kurz – das betrifft besonders Ingenieure, Informatiker, einige Naturwissenschaftler, Ärzte, Juristen – muss bereits viel Zeit dafür aufgewendet werden, die fachliche Qualifikation frisch zu halten. Trotzdem dürfen Themen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, Selbstmanagement oder Führungsverhalten nicht ausgeblendet werden. "Hier empfehle ich immer die Weiterbildung der eigenen Persönlichkeit", sagt der Frankfurter Karriere-Coach Thomas Lange, "hier liegt der Schlüssel für den Erfolg."

Clevere Karriereplaner weihen ihre Vorgesetzten und die Personalabteilung früh in ihr Vorhaben ein (s. Kasten). Der Versuch lohnt, das Unternehmen an den materiellen und immateriellen Kosten zu beteiligen, etwa in Form von Zuschüssen zu Kursgebühren oder Sonderfreizeit. Auch die Kollegen sollten Bescheid wissen, damit sie nicht schief gucken, wenn man wegen einer Lehrveranstaltung früher Feierabend macht. Den gleichen Rückhalt benötigen Bildungshungrige in der Familie und bei Freunden.

Kein Automatismus

Gelingt es, die Weiterbildung im Mitarbeitergespräch richtig zu "verkaufen" und im individuellen Entwicklungsplan zu verankern, stehen die Chancen gut, vom Unternehmen einen "Gegenwert" zu erhalten.

Ein Automatismus ist das aber nicht. "Eine Weiterbildung machen Sie zunächst einmal für sich selbst, um Ihren Wissensstand zu erweitern. Denken Sie nicht nur an die besseren Verdienstchancen, sondern daran, dass Sie Ihre Fähigkeiten vervollkommnen", sagt Karriereberater Hesse. "Ob eine Belohnung in Gestalt einer Beförderung herausspringt, steht auf einem anderen Blatt. Das klappt nicht immer. Eine Sekretärin, die nebenberuflich studiert und einen akademischen Abschluss erlangt, wird allein deshalb nicht gleich Referentin."

Weiterbildung: So überzeugen Sie Ihren Chef

Richtig anfangen
So wie Sie eine Gehaltsverhandlung nicht zwischen Tür und Angel führen, müssen Sie Ihrem Vorgesetzten klar machen, dass Ihr Anliegen für Sie einen hohen Stellenwert hat. Also um einen Termin für ein "Entwicklungsgespräch" von mindestens 45 Minuten Dauer bitten, ein paar Stichworte zum Inhalt angeben, den Termin zwei Tage vorher bestätigen. Bereiten Sie sich gründlich vor, das heißt, schreiben Sie auf, wofür Sie welche Weiterbildung benötigen. Recherchieren Sie konkrete Lehrgänge oder Seminare und treffen Sie eine Vorauswahl. Die Informationen zu Dauer, Abschlussart, Kosten, Anbieter müssen "sitzen".

Richtig argumentieren
Stellen Sie sich vor, Sie bewerben sich um eine Stelle. Dann kommt es weniger darauf an, was Sie für Ihre Zukunft wünschen, als darauf, welchen Nutzen Sie dem Unternehmen bringen. So soll es auch beim Thema Weiterbildung sein: Wie zahlt sich Ihr Kompetenzgewinn für Ihr Unternehmen aus? Welche Aufgaben können Sie besser erledigen? Ziehen Sie neue Kunden an Land, verbessern Sie interne Abläufe, sparen Sie zusätzliche Kosten ein? Natürlich müssen auch Ihre Leistungen in der Vergangenheit die Förderung rechtfertigen.

Richtig insistieren
Knappe Kassen sind ein beliebtes Argument, warum Ihr Arbeitgeber Ihnen leider keine Weiterbildung genehmigen kann. In diesem Fall erläutern Sie, wie Ihre bessere Qualifikation zu mehr Profit in der Abteilung führt. "Wenn Sie eine Weiterbildung machen, will das plötzlich jeder im Team" – auch eine häufige Chef-Antwort. Zeigen Sie, warum Sie nicht "jeder" sind, sondern das größte Potenzial im Team haben und die Weiterbildung verdienen. Versucht Ihr Chef Sie zu vertrösten, verlangen Sie einen Termin für ein Nachfolgegespräch.

Richtig durchziehen
Ist die Weiterbildung genehmigt, dürfen Sie sich nicht in der Schulbank verkriechen. Halten Sie Ihren Vorgesetzten über Ihre Fortschritte auf dem Laufenden, reichen Sie bei der Personalabteilung Prüfungszeugnisse ein. Auch Ihre Kollegen sollen nicht vergessen, dass Sie neben Job und Privatleben auf einer dritten Baustelle arbeiten. Aber Vorsicht: Nicht prahlen, nicht jammern! Sie dürfen von Ihren Kollegen eine gewisse Unterstützung erwarten, aber das heißt nicht, dass Sie sich dauernd mit dem Hinweis auf Ihr Lernpensum vor Zusatzarbeit drücken.

Richtig verwerten
Wenn die Weiterbildung Teil Ihres persönlichen, mit dem Vorgesetzten vereinbarten Entwicklungsplans ist, können Sie hoffen, dass irgendeine Form der Anerkennung für Sie herausspringt. Ansonsten halten Sie sich mit Forderungen zurück. Oft lässt sich eine Beförderung oder Gehaltserhöhung nur durch einen Stellenwechsel realisieren – im Idealfall im selben Unternehmen. Falls das nicht klappt, bewerben Sie sich extern.

(Bild: webphotographeer, istockphoto)


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