Das Telefoninterview ist die Vorstufe zum persönlichen Bewerbungsgespräch. Wir sagen, worauf Personaler dabei achten und wie Sie sich gut verkaufen, um in die nächste Runde zu kommen.
Von Doris Brenner
Immer mehr Unternehmen nutzen Telefoninterviews als Auswahlinstrument. So bestätigt Christoph Haucke Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), dass über 80 Prozent der mehr als 2000 Mitgliedsunternehmen Telefoninterviews bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter durchführen.
Unternehmen verfolgen mit Telefoninterviews im Wesentlichen drei Ziele:
1. Vertiefung und Festigung des in den Unterlagen gewonnenen Bildes eines Bewerbers.
Oft geben Bewerber in ihren Unterlagen nur sehr vage an, was sie in ihrer bisherigen Tätigkeit genau gemacht haben oder welche Erfahrungen sie besitzen. Hier helfen Telefoninterviews Themen zu vertiefen und zu konkretisieren. In welcher "Liga" spielte der Kandidat bisher, hatte er eine Budgetverantwortung im vierstelligen oder sechsstelligen Bereich? Besitzt er Kundenkontakte in seiner Branche? Hat er bereits eigenständig Projekte erfolgreich geleitet?
2. Gewinnung zusätzlicher Informationen, insbesondere im Bereich soziale Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten
Gerade wenn es um so genannte Soft Skills geht, ist der Aussagegehalt von Bewerbungsunterlagen nur sehr begrenzt. Im Rahmen des Telefoninterviews können hier gezielte Eindrücke gewonnen werden. Kann sich der Bewerber klar ausdrücken und kommt schnell auf den Punkt? Hat er eine gewinnende Art insbesondere im Hinblick auf zukünftige Kundenkontakte? Verfügt er über die notwendigen analytischen Fähigkeiten, um auch komplexe Sachverhalte durchdringen zu können?
Insbesondere wenn die zu besetzende Stelle intensive Telefonkontakte beinhaltet, z.B. Call Center, Back Office… stellt das Telefoninterview eine direkte Arbeitsprobe des Bewerbers dar.
3. Klärung offener Fragen
Oft finden sich im Lebenslauf L�cken oder Widersprüche, die es zu klären gilt. Aber auch fehlende Informationen gilt es einzuholen, bevor die Entscheidung, einen Kandidaten zum persönlichen Vorstellungsgespräch einzuladen, fundiert getroffen werden kann. Wo liegt der angestrebte Vergütungsrahmen? Besteht die Bereitschaft zu längeren Dienstreisen? Wenn der Job in Berlin ist: Bestünde die Bereitschaft umzuziehen? Warum weichen die Angaben im Zeugnis und im Lebenslauf von einander ab?
Als Bewerber sollten Sie deshalb sehr gut vorbereitet in das Telefoninterview gehen.
Positive Rahmenbedingungen schaffen
Stellen Sie sicher, dass Sie einen ruhigen Raum für das Telefoninterview zur Verfügung haben, in dem Sie absolut ungestört sind. Planen Sie auch ausreichend Zeit ein, damit Sie nicht unter Druck kommen. Telefoninterviews dauern in der Regel zwischen 10 und 40 Minuten.
Eine bequeme Sitzgelegenheit, Schreibzeug aber auch ein Glas Wasser sollten zur Verfügung stehen. Profis telefonieren gerne mit einem Headset, also einem Kopfhörer für beide Ohren und einem angebauten Mikrofon. Der Vorteil ist in jedem Fall: Sie hören mehr und besser. Und Sie haben die Hände frei. Das ist bequem und gibt Sicherheit.
Vorab gut informieren
Je detaillierter Sie über die Anforderungen der zu besetzenden Stelle Bescheid wissen, desto besser die Argumente. Daher sollten Sie so viel wie möglich recherchieren: über Suchmaschinen im Internet, Kontaktpersonen aus der Branche und Internetforen oder Plattformen, bei denen Unternehmen als Arbeitgeber bewertet werden, können das Bild abrunden.
Welche Informationen Sie einholen sollten, hängt sehr stark auch von der Position ab, um die es geht. Ein Leiter Finance sollte die Bilanzzahlen etwas detaillierter angesehen haben als ein Entwicklungsingenieur. Letzterer ist dagegen gut beraten, wenn er sich mit aktuellen Produktentwicklungen und Technologien des Unternehmens näher beschäftigt. Wer im Vertrieb tätig ist sollte sich intensiv mit dem Markt, den Produkten und den Mitbewerbern auseinander setzen.
Die eigenen Stärken verkaufen können
Zentraler Punkt im Telefoninterview ist das Vermitteln der eigenen Stärken in Bezug auf das Anforderungsprofil. Die Ein-Minuten-Präsentation, die bereits im Artikel "Telefoninterview mit dem Headhunter" näher beschrieben ist, kann dabei sehr hilfreich sein.
Den eigenen Marktwert kennen
Sofern Sie in Ihren Bewerbungsunterlagen keine Gehaltsvorstellungen genannt haben, sollten Sie auf eine diesbezügliche Frage im Telefoninterview vorbereitet sein. Ihr Marktwert hängt neben Ihrer spezifischen Qualifikation für eine bestimmte Stelle von weiteren Faktoren wie z.B. Region, Branche und der aktuellen Marktsituation ab. Ihr aktuelles Gehalt und die damit verbundenen Nebenleistungen können sicherlich eine Orientierung geben.
Bewerben Sie sich aus einer festen Anstellung heraus, sind zehn bis 15 Prozent Gehaltssteigerung realistisch, wenn Sie eine hohe Passgenauigkeit für die Stelle ausweisen. Noch ein Tipp: Argumentieren Sie immer über den Nutzen, den Sie einem Unternehmen bieten können, nie darüber, wie viel Geld Sie benötigen. Schließlich wollen Sie nicht als Almosenempfänger, sondern als leistungsfähiger Mitarbeiter für ein Vorstellungsgespräch empfehlen.
(Bild: Yuri Arcurs)