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Souverän ins Bewerbungsgespräch

Nervös trotz intensiver Vorbereitung? So schaffen Sie es, souverän und selbstbewusst ins Vorstellungsgespräch zu gehen. Ein wenig Aufregung schadet aber auch nicht.




Von Christiane Deuse

Deutlich zu früh sein ist genau das Richtige. Henning Scholz zum Beispiel hatte reichlich Zeit und ging auf dem Besucherparkplatz noch einmal die Kernfragen durch, die beim Vorstellungsgespräch zu erwarten sind. Seine Antworten hatte er auf Karteikarten notiert und führte damit ein lautes Selbstgespräch.

Unbekanntes erzeugt Unsicherheit

Am Empfang des großen Herstellers von Heizsystemen stand er zehn Minuten vor Gesprächsbeginn, war also schon da, als seine Gesprächspartner kamen. Und er kannte sie bereits – dank intensiver Recherche im Internet wusste der PR-Experte genau, wen er vor sich hatte.

Maximale Sicherheit war das Ziel sowohl bei der Zeitplanung als auch bei der unmittelbaren Vorbereitung. Denn: "Unsicherheit resultiert vor allem aus Angst vor Unwägbarkeiten", sagt Doris Brenner, KarriereBeraterin aus Rödermark.

Genug Zeit und Ruhe

Verschwitzt, gestresst und auf den letzten Drücker angekommen – so sammelt man eher Minuspunkte. Am besten genug Zeit haben, um sich in Ruhe die Beine zu vertreten, vielleicht einen Kaffee zu trinken und sich Wesentliches noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, rät die Fachfrau.

Das geht am besten, wenn man sich auskennt. Wo kann ich parken? Wo muss ich mich anmelden? Brauche ich einen Besucherausweis? Und wie weit ist der Weg über das Firmengelände? Klug ist es, diese Fragen schon vorher zu klären.

Recherche vor Ort

Wenn der Betrieb in der Nähe ist, lohnt es sich unbedingt, vor dem Termin schon einmal hinzufahren, den Pförtner nach diesen Details zu fragen und sich im Foyer umzusehen. "Wenn einen der Pförtner dann wieder erkennt und freundlich grüßt, gibt auch das Sicherheit", so Doris Brenner.

Ist die Entfernung zu groß, sollten Bewerber am Tag vorher anreisen und all diese Dinge in Ruhe in Erfahrung bringen. Abends verschafft man sich dann idealerweise einen Eindruck von Land und Leuten in der Gastronomie und kann am nächsten Tag dazu eine Bemerkung fallen lassen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. "Das wirkt etwas verbindlicher", sagt die Beraterin. Generell gilt: "Wer mit der Lokalität vertraut ist, hat eine ganz andere Selbstsicherheit. Das zeigt sich auch in der Körperhaltung. Man wirkt einfach souveräner."

Hausaufgaben machen

Kurz vor dem Vorstellungsgespräch sind wenige inhaltliche Fragen wichtig. Was habe ich über mich mitgeteilt? Habe ich noch ein Ass im Ärmel, das ich nicht vergessen darf? Was will ich auf Kernfragen zum Beispiel nach persönlichen Stärken und Schwächen antworten? – das sollte man sich noch mal in Erinnerung rufen.

Die Hausaufgaben müssen natürlich gemacht sein. Dazu gehört, sich unmittelbar vor dem Termin aktuell über die Firma zu informieren – nicht nur auf der Homepage des Unternehmens, sondern am besten auch bei neutralen Quellen im Internet. Und zu wissen, wem man gegenübersitzen wird. Die Namen weiß die Sekretärin, alles weitere (auch Fotos) gibt die Suchmaschine preis.

Sich kennen heißt, sich sicher fühlen

"Sie müssen alles inhaliert haben", sagt Michael Daub von der Outplacement Beratung München. Und auch über sich selbst Bescheid wissen. "Wer sind Sie eigentlich? – Das muss vorher klar sein." Sich mit sich selbst zu identifizieren, hält er für einen der wichtigsten Punkte, um ruhig ins Gespräch zu gehen.

Wer trotzdem sehr nervös ist, kann mit gezielter Atemtechnik seinen Puls beruhigen: Beim Einatmen bis zehn zählen, beim Ausatmen bis zehn zählen. Und das ganze konzentriert zehn Mal hintereinander, ist sein Tipp.

Ein bisschen Aufregung tut gut

Eine gewisse Aufgeregtheit kann allerdings nicht schaden, meint Daub. Das erhöht die Aufmerksamkeit und macht hellwach, und das wiederum sind gute Voraussetzungen, wenn man das Vorzimmer betritt.

Idealerweise bleiben dann fünf Minuten bis zum Gesprächsbeginn. Zeit, den Sitz der Krawatte noch einmal zu prüfen und zufrieden zu registrieren, dass die schwarzen Ränder unter den Fingernägeln schon am Vortag verschwunden sind und der Knopf wieder fest angenäht ist. Dann kann sich das Gefühl einstellen, dass man selbst alles getan hat, um perfekt vorbereitet zu sein. Und das ist die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch.

(Bild: Roman Millert)